Da ist ein Sportler in mir – irgendwo, irgendwann, irgendwie.

Ich schwitze. Ich werfe immer mal wieder einen Blick auf die Uhr. Jetzt sind es noch 8 Minuten. Im Fernsehen laufen die letzten Einstellungen von „Detective Laura Diamond“. Dann ist ihr Fall ge-löst und ich bin er-löst. Im Gegensatz zu mir wird sie für ihre heldenhafte Tat allerdings überschwänglich gelobt. Ich muss das selber tun: „Gut gemacht!“ sage ich mir herzlich. „Du bist wieder einen Schritt näher an deinem großen Ziel.“

Es ist nun nicht gerade so, dass ich in der vergangenen Stunde eine weltbewegende Erfindung gemacht habe. Oder eine gesellschaftlich relevante soziale Initiative gegründet hätte. Aber ich habe es trotz langem Arbeitstag und Müdigkeit geschafft, mich auf meinen Heimtrainer zu setzen und eine Stunde mit 24 km/h zu fahren! Noch ist der Sport nicht wieder eine Selbstverständlichkeit und deshalb feiere ich mich ein bisschen, wenn ich meinen Plan einhalte.

Das Verrückte ist: Ich bewege mich gerne, ich fühle mich beim Sport wohl – oder spätestens danach. Und trotzdem muss ich mir meistens einen Tritt in den Hintern geben, damit ich etwas tue. Ein paarmal in meinem Leben habe ich aber die erfreuliche Erfahrung gemacht, dass Gewohnheit etwas sehr nützliches ist. Man gewöhnt sich an den morgendlichen Stau auf dem Weg zur Arbeit, an die Nachbarn, die pünktlich zum Wochenende einen Ehekrach zelebrieren, an schlechte Nachrichten im Fernsehen. Aber im Gegensatz zu diesen unangenehmen Gewohnheiten passt Sport meist nur am Anfang in die gleiche Kategorie. Irgendwann passiert etwas Faszinierendes: Der Schweinehund, der mich von der Bewegung abhalten will, wird müde. Ich bin nicht mehr froh, dass der Sport vorbei ist, statt dessen stellt sich das überaus angenehme Gefühl ein, etwas geleistet zu haben. Mir keine unangenehme Anstrengung zuzumuten, sondern mir etwas Gutes zu tun.

Es gibt noch eine weitere Stufe: Der Sport wird ein Teil meines Alltages. Das ist das Ziel. Zähneputzen, Arbeiten gehen, Kochen, Freunde treffen, Einkaufen, Sport. Alles selbstverständlich. Mache ich etwas davon nicht, fehlt es mir. Ich werde immer fitter, ich liebe dieses Gefühl, dass mein Körper macht, was ich will. Ich möchte immer länger Laufen, Radfahren oder Schwimmen – und ich kann es.

Je selbstverständlicher der Sport ist, umso leichter fällt mir das Abnehmen. Die Tatsache, dass ich viele zusätzliche Kalorien verbrauche, ist natürlich ein Grund. Aber viel wichtiger ist der psychologische Effekt: Ich möchte mir mein gutes Sportgefühl nicht dadurch verderben, dass ich dann über Schokolade herfalle. Aber ich habe auch nur noch selten diesen Süßigkeiten-Jieper. Mein Körper scheint auf „gesund“ programmiert zu sein. Hach, es ist ein paradiesischer Zustand.

Wo ist dann das Spiegelbild, das mir einen gut trainierten, schlanken Körper zeigt? Ich war schon ein paarmal ziemlich nah dran. Ich war ganz sicher, dass das jetzt die letzte Diät meines Lebens war. Ich kann unmöglich so blöde sein, das wieder für ein paar Minuten Genuß von etwas, das meist zur Hälfte aus Zucker besteht, aufzugeben.

Dann gibt es eine gravierende Veränderung meiner Lebensumstände: Ich habe einen neuen Job oder Mann. Ich habe eine langwieriges berufliches Problem. Ich habe ein langwieriges privates Problem. Irgendein tolles Projekt beansprucht sehr viel Zeit. Egal ob positiv oder negativ: Wenn etwas meinen Alltag gründlich durcheinander bringt, dann wacht der Schweinhund wieder auf. Und er hat Schokolade dabei …

4 Kommentare

  1. Zurzeit mache ich eine Sportchallenge, in der ich 30 Tage lang jeden Tag Sport mache. Das ist so viel leichter, als nur zweimal in der Woche zum Sport zu gehen, denn es steht nicht zur Debatte, ob man geht, sondern wann man geht. Und seitdem ich diese Challenge mache, geht es mir richtig gut. Sogar der Süßigkeitenkonsum verringert sich, und das, obwohl der Schrank voll mit dem leckeren Kram ist und normalerweise keine drei Tage überlebt. Was ich damit sagen möchte: Sport als Teil des Alltags zu integrieren, so wie das Zähne Putzen, hat (fast) nur Vorteile. 🙂

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    • Hi, Jule,
      guter Plan! Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass zu viele Wahlmöglichkeiten das „Mach‘ ich dann morgen“ fördern. An dem dann irgendetwas anderes noch wichtiger ist … Auch gut: feste Termine mit jemandem. Ich habe mal 1 1/2 Jahre mit einem Personaltrainer Sport gemacht. Die ersten 7 Monate 3 x die Woche. Wenn dich dann so ein schicker Triathlet erwartet, überlegst du dir gut, ob du dir die Erfolge des gemeinsamen Trainings danach wieder durch Süßigkeiten-Orgien ruinierst … Aber vor allem habe ich auch erlebt, was professionelles Training bringen kann, selbst bei meinem damaligen Start-Gewicht von 97 kg. Nach 9 Monaten waren es 74 kg, seufz.
      Machst Du denn unterschiedliche Sportarten an den Tagen, damit es möglichst effizient ist – Kraft und Ausdauer abwechselnd, zum Beispiel?

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      • Ja, ich variiere. Allerdings nicht ganz bewusst, d. h. nach Plan, sonder nach Lust und Laune bzw. Angebot (bestimmte Kurse, die ich besuche, werden eben nur zu bestimmten Tagen und Zeiten angeboten). Heute war ich z. B. 4,5 Stunden spazieren. Morgen werde ich Krafttraining machen.
        Eine grobe Struktur ist drin, aber sie ist letztlich nicht in Stein gemeißelt.

        Magst du vielleicht mal einen Beitrag zum Personal Training schreiben? Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das genau abläuft, wie ein Training aussieht oder ein Trainingsplan. Wäre mal spannend zu erfahren. 🙂

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