Fifty Shakes of Whey

Nach rund 40 Jahre Diät-Erfahrung ist mir nichts mehr fremd. Ich habe merkwürdige Dinge gegessen und getrunken – wenn’s schee macht … Dinge, wohlgemerkt, die ich nicht wirklich mag. Ich erinnere mich an ein ziemlich merkwürdig schmeckendes Pulver namens „Bionorm“ in den 80ern. Konsistenz wie Hirse, Geschmack wie eingeschlafene Füße, wenig Kalorien, machte satt, war aber nicht lange durchzuhalten. Gibt’s das eigentlich noch?

Ich bin allen möglichen Trends hinterher gerannt auf der Suche nach dem ultimativen Plan für den Abnehmerfolg. Ich habe rund 20 Bücher mit Rezepten oder über das Thema Übergewicht und wie ich es loswerde. Und in einer Schublade liegt ein Stapel von Diät-Rezepten, die ich aus Zeitschriften rausgerissen habe. Eine Zeitschrift, die irgendetwas wie „10/20/30 Kilo in 2/4/10 Wochen abnehmen“ auf dem Titel hatte, war für mich genauso unwiderstehlich, wie Mäuse für meinen Kater.
Das ging so lange, bis ich irgendwann mal genug gelernt hatte über Ernährung und meinen Körper und begriff: Letztendlich ist es eine simple Gleichung – der Kalorienverbrauch muss höher sein als die Aufnahme. Wie ich das mache – weniger essen oder mehr bewegen, am besten beides – ist letztendlich egal.

Eine tolle Methode mit garantiertem Erfolg ist die Kohlsuppendiät. Es soll Leute geben, die das tatsächlich vier Wochen durchziehen und trotzdem noch ihre Freunde und Partner behalten haben. Was sie aber nicht behalten, ist ihre Muskulatur – das Eiweiß fehlt.
Darauf kann unser Körper aber nicht verzichten, also holt er es sich aus den Muskeln. Und damit verlieren wir unseren wichtigsten Verbündeten. Muskeln sind die Fettverbrennungsöfen. Je mehr wir davon haben, umso höher ist unser Kalorienverbrauch. Genau das, was uns beim Abnehmen hilft.

Am besten klappt eine Diät, wenn man sich ein paar Monate in eine einsame Hütte zurückzieht und das Essen von einem Diät-Lieferservice bringen lässt. Nur dann kann man den ständigen Versuchungen im Supermarkt und dem Dauerbeschuss mit Leckereien in der Werbung entgehen. Essen ist überall.
Weniger komfortabel aber effizient lösen Eiweißshakes das Problem. Ich brauche das Pulver und Milch, beides lässt sich auf Vorrat kaufen. Eiweiß-Pulver gibt es mit unterschiedliche Grundlagen, zum Beispiel Weizenproteine (Whey), Milch, Molke- oder Soja. Molke gilt als das hochwertigste Protein. Das Pulver ist mit Mineralien und Vitaminen angereichert und sichert dadurch die Versorgung mit allem Nötigen. Da es satt macht, kann man die Kalorienzufuhr niedrig halten. Der perfekte Einstieg in eine Diät für einen motivierenden schnellen Erfolg. Das ist der positive Aspekt.

Aber natürlich ist dieses Pulver ein hoch verarbeitetes Lebensmittel – abgesehen von dem reinen Eiweiß liest sich die Liste der Inhaltsstoffe wie Peters kleiner Chemiebaukasten. Und es trägt nicht das geringste dazu bei, etwas über gesunde Ernährung zu lernen – der Jo-Jo-Effekt lässt grüßen.

Trotzdem: Die Shakes sind meine Geheimwaffe, wenn sich mal nichts mehr auf der Waage rührt. Der radikale Wechsel in der Ernährung gibt dem Körper anscheinend einen hilfreichen Kick. Weil sie schnell fertig sind, verhindern sie manchmal auch, dass ich mir irgendwas Kalorienreiches reinziehe, wenn ich hungrig nachhause komme. Wichtig: Sie müssen gut schmecken, dann helfen sie mir sogar bei akutem Süßhunger.

Eines ist jedoch auch klar: Auf Dauer ist es grottenlangweilig, wenn man sich nur von den Shakes ernährt. Ich habe mal drei Wochen nichts anderes gegessen und die Sehnsucht danach, etwas zu ZERBEISSEN, wurde immer unerträglicher. Ich gierte nach scharf, salzig, bitter. Die 7 Kilo, die ich in den drei Wochen loswurde, waren das Durchhalten wert. Ein ungetrübtes Vergnügen war es definitiv nicht. Aber das erwarten wir ja auch nicht wirklich vom Abnehmen, oder?

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