Kinder, wie die Zeit (nicht) vergeht …

Abnehmen ist wie Weihnachten in der Kindheit: Man kann nicht abwarten, dass die Zeit vergeht. Allerdings sind die Gründe durchaus unterschiedlich. Während ich als Kind ungeduldig darauf wartete, endlich meine Geschenke an Heiligabend zu bekommen, ist momentan viel Zeit eine Herausforderung an mein Durchhaltevermögen. Ich genieße normalerweise die Wochenenden, an denen ich Zeit habe und mich auch mal durch den Tag treiben lassen kann. Jetzt allerdings wünsche ich mir, dass das Wochenende möglichst schnell vorbeigeht. Zuviel Zeit gibt mir zu viele Gelegenheiten, Lust auf Essen zu entwickeln.

Ich achte während einer Diät sehr darauf, keinen Hunger zu haben. Es ist schon anstrengend genug, die Disziplin für die Kalorienkontrolle aufzubringen – wenn ich das auch noch mit knurrendem Magen machen müsste, artete es in Quälerei aus. Aber trotzdem ist die Diät-Zeitrechnung eine ganz spezielle: Frühstück, vor dem Mittagessen, Mittagessen, vor dem Abendessen, Abendessen – und dann kommt der schwierigste Teil: vor dem Schlafengehen.
Ich glaube, das Schwierige daran ist das „nicht dürfen“. In vielen Ratschlägen zum Abnehmen heißt es, man solle sich nichts verbieten, da das erst recht Gelüste auslöst. Der Rat bezieht sich meist auf Süßigkeiten, gilt leider aber auch generell. Nur: Ich muss mir ja zwangsläufig Dinge verbieten, wenn ich Kalorien einsparen will – zum Beispiel mehr von einem Nahrungsmittel zu essen, als in meine Kalorienbilanz passt.
Lange Zeit war die ultimative Lösung, fünf oder mehr kleine Mahlzeiten statt drei großer zu sich zu nehmen. Das sollte den Blutzuckerspiegel stabil halten und damit Heißhungerattacken vermeiden. Heute liest man meist, dass es doch nur drei Mahlzeiten sein sollten, denn die Insulinausschüttung nach jeder Mahlzeit störe die Fettverbrennung.
Getreu meiner Überzeugung, dass es letztendlich nur darauf ankommt, wie viele Kalorien am Ende des Tages auf dem Konto stehen, hat sich für mich das 3 x täglich-Prinzip als das Beste herausgestellt. Mit 500 Kalorien kommt eine anständige, befriedigende Mahlzeit zustande. Bei fünf oder sechs 200 – 300 Kalorien-Mahlzeiten habe ich den Verzicht immer deutlich vor Augen.

Aber möglicherweise ist gerade die Tatsache, dass ich mich auf das Essen freue, der Grund, warum mir die Zeit zwischen den Mahlzeiten so lang wird? Hm, vielleicht sollte ich nur Sachen essen, die ich nicht mag – dann wäre zumindest die Vorfreude kein Grund für Ungeduld mehr …

Der kindlichen Vorweihnachts-Ungeduld konnte ich ein wenig abhelfen, indem ich heimlich die Schränke im Schlafzimmer meiner Eltern durchstöberte und zumindest die verpackten Geschenke sehen, schütteln und daraus (meist falsche) Rückschlüsse auf den Inhalt ziehen konnte. Wenn ich das auf meine Mahlzeiten übertragen würde, hieße das, mich in Gedanken mit dem Essen zu beschäftigen, mir zu überlegen, was ich wie kochen werde, wie es aussehen und schmecken wird.
Ganz schlechte Idee! Mir läuft schon beim Schreiben darüber das Wasser im Mund zusammen.

Das wirksamste Mittel gegen die sich dehnende Zeit ist natürlich Beschäftigung. Die fiese Psyche scheint aber Fernsehen oder Lesen als reine Ablenkung zu durchschauen und spätestens bei der Werbepause mit Coppenrath & Wiese-Torten, Werthers Echte, Mon Cherié oder den aktuellen Angeboten der Discounter schlägt die Esslust wieder zu.
Es wäre auch eine gute Idee, wenn jemand endlich mal einen Diät-Krimi schreiben würde. Kriminalromane – meine liebste Lektüre – in denen nicht gegessen wird, gibt es nämlich nicht.

Am besten funktioniert bei mir Bewegung: Bügeln geht auch beim Fernsehen super (und macht die Arbeit weniger ätzend), Wäsche auf- oder abhängen in der verführerischen Werbepause. Putzen, Aufräumen, Nägel lackieren, Spazieren gehen, Gartenarbeit, die Bücher alphabetisch sortieren oder nach Größe – alles, was Kopf und Hände beschäftigt hält, hilft. Oder Listen auszufüllen mit der erwarteten Gewichtsabnahme und einem Datum, an dem dann alles geschafft ist. Und die dann lange verzückt anstarren …

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