Gewichts-Schizophrenie

Es gibt Momente, da stehe ich neben mir und frage mich, ob es so etwas wie Gewichts-Schizophrenie gibt. Ich habe zuhause ein Memobord am Kühlschrank mit einer großen 93,3 drauf – mein aktuelles Gewicht. Ich nutze eine App, in der ich alles eintrage, was ich esse, um meine Kalorien zu kontrollieren. Im Büro liegt zur Motivation ein selbstgestalteter Kalender mit Bildern von den verschiedenen Sportevents, an denen ich vor einigen Jahren teilgenommen habe. Das Märzbild ist das Zielfoto vom Kölnmarathon 2013. In meinem Auto klebt ein Aufkleber mit meinem Wunschgewicht. In meinem Umfeld habe ich also viel dafür getan, mich bei meinem Abnehmvorhaben zu unterstützen. An den meisten Tagen funktioniert das auch sehr gut.
Aber wie leicht das alles plötzlich nicht mehr wichtig ist – das verblüfft mich auch nach 40 Jahren Abnehmerfahrung immer noch. Oder besser gesagt: Es ist beängstigend. Denn oft genug war das der Beginn des Endes eines Abnehmerfolges. Oder der Anfang einer neuen Gewichtszunahme.

Am Montag habe ich mir einen Hexenschuss eingefangen. Glücklicherweise nicht wirklich schlimm – der aufrechte Gang funktioniert noch. Aber ich bin natürlich aus meiner gerade zurückgewonnenen Sportroutine rausgekickt. Und wieder einmal zeigt sich, wie entscheidend der Sport für mich ist. Ich tue mir auch ein wenig leid und was hilft dagegen? Na klar, ein gutes Buch, ein guter Film, ein gemütlicher Abend mit Freunden – irgendetwas, das Spaß macht. Soweit die vernünftige Variante. Meine ist – Haribo Colorado. Und Milchschnitte. Fünf Stück.
Am Dienstag geht es mir auch nicht schlechter, ich kann arbeiten aber ich hadere mit meinem Sport-Aus. Ich habe Zwischenziele, die ich zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen will. Der nächste ist mein Geburtstag am 22. April und ich wollte mir die „unter 80 kg“ schenken. Ambitioniert, aber machbar. Kann ich jetzt vergessen. Lindor Ostereier. Großpackung.
Mittwoch: Ich komme runter von der Droge, ich bin sehr stolz auf mich, denn ich habe ganz schön gegen den Wunsch angekämpft, erneut ein Süßigkeitenregal auszuräumen. Wie als Belohnung geht es meinem Rücken besser und ich nehme mir vor, am Donnerstag mit dem morgendlichen Schwimmen wieder in den Sport einzusteigen. Am Morgen jedoch bin ich ziemlich steif und gebe das Vorhaben auf. Abends gibt es Germanys next topmodel statt Süßigkeiten. Gewonnen! Nächster Schwimmversuch am Freitag – Warmbadetag, das sollte besser für den Rücken sein.
Morgens leider das gleiche Spiel wie gestern. Aber tagsüber geht es zunehmend besser und nun schlägt die Gewichts-Schizophrenie voll durch: Je besser es mir geht, umso weniger wichtig wird das Abnehmen – ich will feiern. Nach dem Job gehe ich bester Laune zu Hussel, dem Schokoladenparadies, und stelle mir eine riesige Tüte mit schokolierten Früchten zusammen – meine Lieblingsnascherei. Neben mir geht mein zweites Ich und schüttelt ununterbrochen den Kopf über diese Idiotie.

Beim Aufwachen scheint mir am Samstag die Sonne ins Gesicht. Ich beginne den Tag mit der „Fity shakes of Whey“-Geheimwaffe. Der Plan: mit drei Tagen strenger Diät der Zuckerorgie der letzten Tage entgegenzuwirken. Ein Test auf meinem Heimtrainer scheint mein Gefühl zu bestätigen, dass Fahrradfahren funktioniert, obwohl mein Rücken immer noch nicht ganz ok ist. Statt der vorsichtshalber geplanten einen Stunde werden es sogar 1 1/2h – und das Einhalten der Diät ist völlig unproblematisch. Ich bin zurück im Abnehmmodus! Lerne ich was daraus? Schön wär’s …

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