Joy-Boy

Personal Trainer schienen lange Zeit so etwas wie ein Luxus-Accessoire von Promis zu sein. Die einschlägige Klatsch-Fachpresse informierte uns darüber, dass Heidi Klum, Beyonce oder Jennifer Lopez ihre straffen Kurven ebenso wie ihre männlichen Kollegen ihre Muskeln den knallharten Workouts mit ihren Trainern verdanken.
Seit einigen Jahren wird in den Sport- und Gesundheitszeitschriften aber auch über die Vorteile eines persönlichen Coachings für uns Normalos geschrieben. Und mittlerweile haben es einige deutsche Exemplare auch in unser Fernsehen geschafft.
Ob als Trainer der schwergewichtigen „Biggest Loser“ Kandidaten oder mit eigenem Format, wie Felix Klemme in „Extrem schwer.“ Ich weiß natürlich nicht, ob dieser Felix Klemme authentisch ist oder ein mediales Konzept. Aber so jemanden wünscht man sich auch an der Seite bei dem Kampf gegen die Pfunde: Hart und zart mit Humor. Und diese Kombination von Fordern und Fördern ist genau das reizvolle an einem Personaltrainer. Gutaussehend schadet als Motivationsunterstützung aber auch nicht …
Das will ich auch! Jahrelang habe ich das mir gewünscht. Ein recht kostspieliger Wunsch, allerdings: Auch ohne Promi-Trainer-Status liegen die Preise meist zwischen 60 – 120 € pro Stunde.

Mir ging es dabei nicht vordringlich ums Abnehmen, sondern darum, herauszufinden, was denn sportlich für mich erreichbar ist. Ich mag es generell, meine Möglichkeiten auszutesten und zu entwickeln, auf sportlichem Gebiet hatte ich das aber noch nie probiert.
2012 ergab sich die notwendige Kombination aus Zeit und Geld für diesen sinnvollen Luxus. Und das war eine der besten Ideen meines Lebens.
Die erste Frage war natürlich, wie komme ich an einen guten Trainer? Das Internet weiß glücklicherweise alles und auf der Seite http://www.personalfitness.de konnte ich geprüfte Trainer über Ortsnamen suchen. Ich bekam drei Männer und eine Frau zur Auswahl. Tatsächlich hatte ich gehofft, eine Frau zu finden – irgendwie waren meine Hemmungen, mich mit meinen damals 97 Kilo dem kritischen Blick eines weiblichen Sportprofis zu stellen, geringer. Auf ihrem Foto wirkte Michaela Lübbers sympathisch und sie hatte als Sportwissenschaftlerin einen soliden fachlichen Hintergrund. Ein Physiotherapeut oder ähnliches wäre auch ok gewesen, Hauptsache Ahnung von dem, was beim Sport in einem Körper vorgeht. Größte Bedenken hatte ich immer wegen des Gegensatzes meines nicht gerade stromlinienförmigen Ichs zu dem durchtrainierten Trainer. Viele Trainer sind die Arbeit mit leistungsorientierten Sportlern gewohnt. Um mich wohlzufühlen, brauchte ich jemanden, der nicht über mich urteilt aufgrund meiner Kilos, sondern den Kampf dagegen mit mir zusammen auch zu seiner Aufgabe macht. Auf Michaelas Internetseite fand ich die Themen Ernährungsberatung und Abnehmen ausdrücklich als Teil ihres Angebotes – sie kannte also die Probleme.

Auch im ersten Gespräch war sie mir sympathisch und nahm ihren Job offensichtlich sehr ernst. Sie fragte gesundheitliche Probleme ab, Gewicht, sportlichen Werdegang, meine Ziele und vieles mehr. Für mich stand fest: Ich will das volle Programm – drei Monate lang 3 x 2 h in der Woche. Beim ersten Training ging es zunächst darum, meinen Status zu ermitteln. Sie filmte meinen Laufstil und analysierte ihn. Mein Maximalpuls wurde mit einem 1000 m-Lauf mit der Vorgabe, wirklich an meine Grenzen zu gehen, ermittelt.
Die Belastungen beim Training, egal ob auf dem Rad oder beim Laufen, waren erheblich höher, als ich mir sie zugemutet hätte – genau das, was ich ja wollte. Und Michaela holte mich dort ab, wo ich leistungsmäßig war. Das war für mich der maßgebliche Punkt für die Entscheidung, mit einem Personal Trainer zu arbeiten. Sie erzählte, dass sie auch schon Kunden hatte, die zunächst gar nicht laufen konnten – also begannen sie mit Gehen.
Ich lernte, was der Unterschied zwischen Sport und Training ist. Das Ziel konnte sein, endlich einen verdammten Berg mit dem Rad hoch zukommen – oder das zehnte Mal eine vermeintlich kurze Steigung hochzulaufen. Intervalltrainings und Steigerungen – das Laufen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten mit gezielten Spitzen, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Wenn‘s schwer wurde, gab es erst Motivation, die Forderung durchzuhalten aber auch Verständnis, wenn ich etwas nicht schaffte.

Als Michaela schwanger wurde, übernahm nach und nach ihr Mann Andreas das Training. Und mit ihm entdeckte ich dann einen Aspekt des Sports, den ich vorher nicht als Wunsch hätte definieren können, weil ich nicht wusste, wie viel Spaß es machte: Abenteuer und Risiko. Er traute mir immer mehr zu, als ich mir selbst – beim Mountainbiken. Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass ich mit meinen 52 Jahren mit dem Rad steile, schmale, holprige Waldwege mit Wurzeln bergab rase, in enge Senken rein und sofort auf der anderen Seite wieder raus, mich auf dem Rad Treppen runter wage oder über eine Wippe, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Das faszinierende war: Obwohl ich manchmal wirklich die Hosen voll hatte – Andreas wusste irgendwie immer genau, was er mir zutrauen konnte. Das ist, glaube ich, auch eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit mit einem Personal Trainer: Vertrauen. Das Training war immer anstrengend – auf Berge, die man runterfährt, muss man erstmal rauf und auch das Lauftraining wurde mit der Zeit immer anspruchsvoller. Aber mit ihm war es ein Vergnügen, sich anzustrengen. Und das Gefühl, all diese Dinge geschafft zu haben, war einfach grandios.
Letztendlich blieb ich 7 Monate bei dem dreimaligen Training pro Woche. Ich lief zu diesem Zeitpunkt knapp 20 km am Stück und kam auch starke Steigungen mit meinem Rad hoch. Und nebenbei hatte ich noch 20 kg an Gewicht verloren – natürlich nicht nur durch den Sport, sondern auch mit Diät. Aus Kostengründen stieg ich dann auf einmal wöchentlichen Sport mit Andreas um und trainierte ansonsten nach einem Plan. Hilfreich war dabei die Trainings-App „Runkeeper“, dort dokumentierte ich meine sportlichen Aktivitäten und meine Trainer (Michaela machte die Pläne) konnten die jeweiligen Zeiten etc. sehen. Ich kam mir sehr professionell vor!
Insgesamt habe ich 17 Monate mit den Profis trainiert – bis zum Köln-Marathon, den ich 2013 gelaufen bin. Ich wollte mit dem Personal Training herausfinden, was bei mir sportlich geht. Die Antwort nach dieser Zeit war eindeutig: Vielmehr, als ich jemals erwartet habe.
Und davon profitiere ich noch heute und vermutlich mein restliches Leben. Auch wenn ich immer mal wieder vom rechten, sportlichen Weg abgekommen bin und auch heftig an Gewicht zugelegt habe: Ich weiß, was ich leisten kann und ich will dieses unglaublich tolle Gefühl, einen fitten Körper zu haben, dem ich eine ganze Menge zutrauen kann, wieder haben. Das ist auch jetzt eine sehr große Motivation.

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