Enten-Mobbing

Jeder von uns kennt den Spruch vom hässlichen Entlein, das sich in einen schönen Schwan verwandelt. Gerne verwendet bei Formaten wie „Germany’s next Topmodel“ oder ähnlichen Nachhilfe-Sendungen für weibliche Selbstzweifel. Zehn von zehn befragten Enten finden das ganz schön gemein.
Im Märchen „Das hässliche junge Entlein“ von Hans-Christian Andersen heißt es:
„Aber das arme Entlein, welches zuletzt aus dem Ei gekrochen war und so hässlich aussah, wurde gebissen, gestoßen und ausgelacht. »Du bist außerordentlich hässlich!« sagten die wilden Enten; »Aber das kann uns gleich sein, wenn du nur nicht in unsere Familie hineinheiratest.«

Bis es mir im Alter von 14 Jahren ein Arzt bei der Schuluntersuchung sagte, hatte ich keine Ahnung, dass ich übergewichtig war. Dann fing ich an, mich mit den anderen Enten im Teich zu vergleichen und kam zu dem Schluss, dass ich abnehmen müsste, um von ihnen gemocht zu werden. Der Rest ist Jo-Jo-Geschichte.
Dass ich schlanker sein möchte, hat natürlich auch mit meinem eigenen ästhetischen Empfinden zu tun. Welches von der Gesellschaft geprägt wurde und wird, in der ich aufgewachsen bin. Also wäre es das gesündeste, sich völlig frei von solchen Kriterien zu machen? Das beliebte: „In Afrika werden dicke Frauen verehrt“?
Die sehr runde Fernsehmoderatorin und Autorin Tine Wittler hat vor einigen Jahren über ihre Erlebnisse auf einer Reise durch Afrika in ihrem Buch „Wer schön sein will, muss reisen“ berichtet. In Mauretanien lernte sie eine Kultur kennen, die tatsächlich dicke Frauen verehrt. Also ein Paradies jenseits von Size Zero-Modellen? Nicht wirklich. Auch hier ist das Aussehen so entscheidend, dass Frauen zwangsgemästet werden, um diesem Schönheitsideal zu entsprechen. In der „modernen“ Variante nehmen junge Frauen Medikamente aus der Tiermast, um möglichst viel zuzunehmen.

Wie ich sagte, hat mein Wunsch, schlank zu sein AUCH mit meinem ästhetischem Empfinden zu tun. Früher hat das vielleicht durchaus überwogen – es entsprach meiner Vorstellung von „schön sein“. Heute spielen gesundheitliche Aspekte eine mindestens ebenso große Rolle und auch das Körperempfinden, das Gefühl, belastbar und leitungsfähig zu sein. Der berufliche und private Alltag geht einfach viel leichter von der Hand, wenn ich fit bin.

Das Tier, dass ich mir vor einigen Jahren für einen Anhänger als Motivation ausgesucht habe, ist kein Schwan – es ist ein Hai. Aber das ist eine andere Geschichte …

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